Digitalpolitisches Thema des Monats

Wirtschaftsförderung

Einführung

Deutschland als digitales Wachstumsland Nr. 1 in Europa – dieses ehrgeizige Ziel setzte sich die Bundesregierung mit ihrer Digitalen Agenda. Tatsächlich ist im Handlungsfeld Digitale Wirtschaft und Digitales Arbeiten einiges passiert, was Deutschland in Europa voranbringt – von der Abschaffung der umstrittenen WLAN-Störerhaftung und der Verabschiedung der EU-Datenschutzgrundverordnung bis hin zu Initiativen zur besseren Information und Vernetzung der Wirtschaft.

Orientiert sich die Politik allerdings an internationalen Maßstäben, so steht Deutschland in vielerlei Hinsicht noch am Anfang. Die deutsche Wirtschaft braucht aus Sicht des eco innovations- und investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen: weniger Bürokratie, bessere Vernetzung, mehr Förderung und leichteren Zugang zu Kapital – für weiteres Wachstum. Gerade die junge digitale Wirtschaft sieht sich in Deutschland vor eine Vielzahl von Herausforderungen gestellt. Deshalb müssen entsprechende Rahmenbedingungen für die deutsche Internetwirtschaft geschaffen werden, damit Deutschland im internationalen Vergleich aufholen kann.

Interview

5 Fragen

Christina Barleben, CEO & Co-Founder Thoughtfish GmbH, beantwortet fünf Fragen zum digitalpolitischen Thema des Monats: Wirtschaftsförderung.

1. Frau Barleben, was muss politisch noch passieren, damit jungen Unternehmen der Einstieg in die digitale Wirtschaft erleichtert wird?

Ich glaube, die Frage trifft es schon ganz gut. „Erleichterungen“. Seien es bürokratische Erleichterungen, sei es leichterer Zugang zu Kapital, seien es Steuererleichterungen. Wenn Netzwerke angeboten werden, sollten es Netzwerke nicht unter anderen Start-ups, sondern mit gestandenen Geschäftsführern, Vertrieblern, Marketing-Menschen sein, die mit viel Erfahrung die Gründerteams ergänzen können.

Öffentliche Fördergelder sollten mit mehr Mut und Vertrauen ausgegeben werden. Also dem Mut, dass die Unternehmer das Unternehmen groß machen wollen und nicht – wie schon das eine oder andere Mal gehört – das Geld vertrödeln. Daher sollte es hier weniger Papierkram geben, flexiblere Auszahlungsmodalitäten und mehr Freiheit in der Verwendung der bewilligten Gelder.

2. Was waren die größten Herausforderungen, die Sie auf Ihrem Gründungsweg überwinden mussten?

Die Deutschen reden zwar viel über Innovation, möchten aber am liebsten in sichere Projekte investieren. Das schließt sich gegenseitig aus. Innovation ist nicht sicher. Innovative Produkte oder Technologien zu entwickeln hat viel mit Trial & Error, mit Iterationen und auch Unplanbarkeit zu tun. Daher ist die Schaffung einer möglichst freien Arbeitsumgebung durchaus eine Herausforderung.

3. Warum sehen wir in Deutschland so wenige Millionen-Investments? Mangelndes Kapital, keine Ideen oder sind die Deutschen prinzipiell zu ängstlich?

Ein wichtiger Faktor ist hier unsere Gründerkultur. Wir gehen davon aus, dass Unternehmer schon direkt verstanden haben müssen, wie man ein Unternehmen aufbaut und zum Erfolg führt. Dabei lernt man das Unternehmertum nicht in der Schule oder im BWL Studium. Unternehmer sein lernt man beim Aufbau eines Unternehmens. Wenn es nicht direkt beim ersten Mal klappt, ist man als Unternehmer eher verbrannt. In Amerika ist die Kultur ganz anders. Als Unternehmer wird man mit jedem Unternehmen, dass man geführt (und im Zweifel auch in die Insolvenz geführt hat) immer ernster genommen.

4. Stichwort „fairer digitaler Wettbewerb“- Wo sehen Sie politischen Handlungsbedarf, damit im internationalen Wettbewerb auf digitalen Märkten gleichwertige Verhältnisse vorherrschen?

Weniger Regularien und mehr Unterstützung eines offenen, freien Datenverkehrs.

5. Was wären heute Ihre wichtigsten Empfehlungen für einen Gründer, der mit einer guten Idee zu Ihnen kommt und Starthilfe braucht?

Die wichtigste Ressource in einem digitalen Markt ist die Ressource Mensch. Diese Menschen – mit entsprechender Expertise, Hintergründen, Wertesystemen, etc. – kann ich mir auf der ganzen Welt suchen. Denn es ist völlig egal, aus welchem Land heraus ich mit meinem digitalen Gut Geld verdiene. Daher muss ich mir als Gründer vorrangig überlegen, wie mein Team aussehen soll. Wie und von wo ich arbeiten möchte und wie ich genau das am besten finanziert bekomme. Nur weil ich in Deutschland lebe, ist das nicht automatisch der ideale Standort für das Unternehmen. Ich würde also raten, auf die Standortwahl ein besonderes Augenmerk zu legen.

Umfrage

Deutsche Wirtschaft braucht innovations- und
investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen

Fast die Hälfte (44 Prozent) der deutschen Unternehmensentscheider sehen den größten Handlungsbedarf beim Bürokratieabbau. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. im März 2017 durchgeführt hat. Die deutsche Wirtschaft brauche demnach umso dringender verlässliche investitions- und innovationsfreundliche regulatorische Rahmenbedingungen. Laut der Umfrage halten 45 Prozent der Unternehmen den deutschen Rechtsrahmen noch immer für innovations-unfreundlich.

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